Harald Alff

Seit der Studienzeit an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig spielt die Druckgrafik in meiner Arbeit eine entscheidende Rolle. Dabei haben sich Motive und Arbeitsweisen in verschiedenen Phasen mehrfach gewandelt. Zunächst gab es eine intensive Auseinandersetzung mit Zeichen und Schriftstrukturen, was sich später zu einer eher comichaften Bildsprache wandelte.

Schließlich ließ die Faszination für urbanes Leben im Zusammenspiel mit dem Interesse an seltsamen Formen neu errichtete Gewerbebauten für einige Jahre zu meinem Hauptmotiv werden. Die technoid anmutenden Parkhäuser und Ladezonen zeitgenössischer Einkaufszentren bieten gerade aufgrund ihrer eigenartigen Ästhetik ein nahezu endloses Reservoir an Motiven. Der Hochdruck scheint mir für die Umsetzung dieser Ansichten das ideale Medium, da das mehrfache Überdrucken von Flächen zu einer Ästhetik führt, die die effizienzorientierte Nutzarchitektur in einer patiniert sinnlichen Farbigkeit erscheinen lässt. Hinzu kommt, daß die Orte zumeist in sonntäglicher Verlassenheit gezeigt werden. So entwickeln Schauplätze alltäglicher Betriebsamkeit plötzlich eine geradezu meditative Ruhe. Den leeren Parkplatz verwandelt seine Funktionslosigkeit in ein grafisch spannendes Feld.

Als spannenden Prozess wiederum erlebe ich die Herstellung dieser Arbeiten, von der Motivsuche über das Fotografieren und Zeichnen vor Ort, dem Erstellen einer exakten Linienzeichnung am Computer, dem Schneiden der Druckform und schließlich dem Drucken selbst. Der Druckprozess von Hand mit bis zu sieben Druckgängen in diversen Farbabstufungen ist natürlich der zentrale Teil der Entstehung. Das mehrfache Überdrucken verschiedener Farbflächen ist ein Spiel des kontrollierten Zufalls. Diese Arbeitsweise ist wohl der Malerei näher als der herkömmlichen Druckgrafik. Auf diesem Wege entstehen auch ausschließlich Unikate.

Etwas anders verhält es sich mit einem verwandten Arbeitsfeld, das sowohl vom Motiv als auch von der Drucktechnik her konventioneller erscheint: den Stadtansichten. In der Hochdrucktechnik der verlorenen Form werden Darstellungen städtischer Situationen zumeist in monochromer Farbigkeit ausgeführt. Diese Auflagendrucke entstehen größtenteils in der Kniehebelpresse. Solch wenig spektakulären – aber dafür umso vertrauteren Perspektiven sind gerade in ihrer scheinbaren Einfachheit eine große Herausforderung und stehen zu meiner Freude im komplexen Gefüge der Großstadt reichlich zur Verfügung.

Vita

  • 1963 in Leipzig geboren
  • 1980–1982 Lehre als Maschinenbauer
  • 1989–1994 Studium an der HGB Leipzig
  • 1994–1996 Meisterschüler bei Prof. Hildegard Korger und Prof. Karl-Georg Hirsch
  • 1997 Arbeitsaufenthalt in der Druckwerkstatt Kätelhön, Wamel
  • 1997–1998 Stipendium des DAAD am Royal College of Art London, Printmaking Department
  • 1998 Studienreise nach Japan
  • 1998 Arbeitsaufenthalt in Portugal
  • 1999 Master of Art-Abschluss am Royal College of Art London
  • Seit 1999 freischaffend in Leipzig
  • 2007 Mitbegründer von Hoch+Partner
  • 2008 Teilnahme am 18. Sächsischen Druckgrafiksymposion Hohenossig
  • 2009–2012 Dozent an der Werkakademie Leipzig
  • 2013 Arbeitsaufenthalt in Herzliya / Israel
  • 2016 Teilnahme am 4. Vogtländischen Druckgrafiksymposium Bad Elster

Ausstellungen (Auswahl)

  • 2016 Kunstverein Coburg
  • 2014 Kunstverein Lemgo
  • 2012 Galerie Koenitz, Leipzig
  • 2011 Galerie Hoch+Partner, Leipzig (mit Susann Hoch)
  • 2009 Galerie VORORTOST, Leipzig (mit Gerald Müller-Simon)
  • 2008 Galerie der Sparkasse Nordhausen
  • 2007 Galerie Hoch+Partner, Leipzig
  • 2004 Max-Bürger-Forschungszentrum, Leipzig
  • 2003 Hotel Adagio, Leipzig
  • 2001 Engelgasse 3, Naumburg
  • 2000 Westphalsches Haus, Leipzig

zahlreiche Ausstellungsbeteiligungen im In- und Ausland, u.a. Japan, Ukraine, Tschechien, Großbritannien, Österreich, Südkorea, Frankreich

Arbeiten in öffentlichen Sammlungen

  • HYPO-Bank, München
  • Verbundnetz Gas AG, Leipzig
  • Klingspor-Museum, Offenbach
  • Deutsches Buch-und Schriftmuseum, Leipzig Neue Sächsische Galerie, Chemnitz
  • Sächsischer Kunstfonds, Dresden
  • Sparkasse Burgenlandkreis, Zeitz
  • Sparkasse Nordhausen
  • Tama Art University Museum, Tokyo, Japan
  • Robert and Susan Summer Collection, New Preston, USA
  • Yung Dong University, Chungbuk, Südkorea
  • Muzeum Archidiecezjalne, Katowice, Polen
  • Neue Sächsische Galerie, Chemnitz
  • Sparkasse Leipzig

Arbeiten